05.11.2013

Studie entzaubert E-Learning

"E-Learning" ist ja bekanntermaßen kein besonders gut definierter Begriff. Wenn also eine Pressemitteilung mit der "Entzauberung" desselben um Aufmerksamkeit wirbt, liegt die Frage nahe, um was es da eigentlich geht. In erster Linie geht es um eine Pressemeldung zur Ankündigung der Veröffentlichung einer Promotion von der Uni Rostock, die via idw-Newsfeed Verbreitung gefunden hat. Der Inhalt ist entsprechend pressemitteilungsmäßig knapp und komprimiert und besagt ungefähr folgendes: Frau Dr. des. Wigger hat eine Feldstudie zur "Wirksamkeit von Blended Learning in der Hochschule" durchgeführt, was für sich genommen ein relevantes Vorhaben darstellt, auf dessen Ergebnisse man gespannt sein darf - wenn die Studie dann veröffentlicht ist, was für Ende des Jahres geplant ist. So lange wollte die Abteilung für Presse und Öffentlichkeitsarbeit der Uni Rostock aber nicht warten:
"Ihr [Frau Wiggers] ernüchterndes Fazit: 'E-Learning-Studierende würden lieber Präsenzveranstaltungen besuchen und konventionell Studierende sind fachlich besser.' Die befragten Studentinnen und Studenten machen dafür das ungewohnte, vollständig eigenständige Arbeiten und den damit verbundenen Zeitaufwand verantwortlich. Sie schätzen die untersuchten Fächer als zu schwierig für das selbstständige Lernen ein. Insbesondere Studienanfänger fühlten sich durch das E-Learning überfordert."
Ergebnis der Studie sei also, dass "E-Learning-Studierende" überfordert und E-Learning daher ungeliebt sei. Damit wird jedoch natürlich eine ganz bestimmte Spielart des E-Learning beschrieben, bzw. nur ein ganz bestimmtes Setting, nämlich das mehr oder weniger vollständig online und asynchron stattfindende E-Learning, beispielsweise eines xMOOCs. Verwirrenderweise geht es laut Titel der Arbeit aber um "Blended Learning" - also definitionsgemäß ein "gemischtes" Setting, dass eben genau nicht nur auf Selbstorganisation und Selbststudium beruht, sondern mit anderen Formaten der Lehre durchsetzt ist. Einmal auf diesen impliziten Begriff des E-Learning reduziert machen auch die folgenden Sätze Sinn:


03.11.2013

Deutsche MOOC-Befindlichkeiten im Digitalen Salon

Unter dem Titel "Spread the Word – Von der Universität zum Bildungsstream?" hatte der Digitale Salon des HIIG in Berlin am vergangenen Mittwoch geladen. Die Veranstaltung bot einen anschaulichen Querschnitt der bundesdeutschen Befindlichkeiten gegenüber MOOCs, was insbesondere an der für diesen Zweck äußerst glücklichen Zusammenstellung der Podiumsgäste gelegene haben dürfte. Die Gäste auf dem Podium waren
  • Constanze Langer (FH Potsdam, Gewinnerin des MOOC-Wettbewerbs von Stifterverband und iversity)
  • Ralf Lankau (Hochschule Offenburg, ein leidenschaftlicher Kritiker digitaler Bildungsvisionen als "entpersönlichtes und entsozialisiertes Lernen an der Maschine, das man in seiner digitalen Totalität entmenschlicht nennen muss.")
  • Jan-Hendrik Olbertz (Erziehungswissenschaftler, seit 2010 Präsident der Humboldt-Universität vordem Kultusminister in Sachsen-Anhalt und laut Christian Füller in der TAZ ein salopper Konservativer)
  • Marcus Riecke (Geschäftsführer und zusammen mit Hannes Klöpper Frontmann von iversity)
Den Auftakt dürfte Marcus machen: "Alles wird anders" war der Kernsatz, den er aus seinen Erfahrungen in der US-Internetökonomie ableitete. Das Internet verändere ganze Gesellschaftsbereiche massiv und es spreche kein Grund dagegen, dass dies im Bildungsbereich anders sei. Das macht in meinen Ohren erst mal Sinn und diese Argumentationslinie ist mir auch von z.B. Thomas Friedmann und John Naughton hinlänglich bekannt.
Aus der Perspektive von Constanze klingt dieser massive Wandel ebenfall bekannt: Ausgehend von der Initiative einer Wissenschaftlichen Mitarbeiterin, die sich Gedanken über ihre