25.05.2012

Evaluation einer E-Portfolio Veranstaltung (Seminarblog Web 2.0 und Gesellschaft)

Mit viel Verspätung möchte ich noch auf einen Beitrag im Seminar-Blog "Web 2.0 und die Gesellschaft" von Ilona Buchem eingehen, weil hier Ergebnisse der Abschlussreflexion aus einem Nutzungszenario von E-Portfolios in der Hochschullehre (im vergangenen Wintersemester 2011/2012) veröffentlicht sind - und dass findet leider nicht sehr oft statt. Ilona Buchem macht drei Kategorien auf: Die (negative) Soll-, die (positive) Haben-Seite sowie die Ambivalenzen. Die Darstellung ist knapp, daher möchte ich sie nicht weiter zusammenzufassen, würde mir aber erlauben, meine Quintessenzen zu ziehen:
  • Die praktische Arbeit mit dem Portfolio, die Praxisnähe und Multiperspektivität der Inhalte sowie die neuen Möglichkeiten der Leistungsdarstellung wurden von den Studierenden positiv eingeschätzt. Man kann dies interpretieren als die Ausweitung von Spielräumen. Diese müssen freilich auch genutzt werden - dies scheint aber auch der Fall gewesen zu sein, wie sich auch an den sehr individuell gestalteten  Beispielportfolios im Artikel zeigt. Es steckt vermutlich auch ein gutes Stück Lust am Neuen und am Ausprobieren hinter dem offensichtlichen Motivation, die sich in diesen Portfolios äußert. Wichtig scheint aber zu sein, diese Spielräume beim Einsatz von E-Portfolios gezielt aufzusuchen.
  • Nicht so gut angekommen bei den Studierenden sind anscheinend die Vorgaben hinsichtlich der Themen, Umfang und Struktur der Portfolio-Artikel (die übrigens als Wordpress-Blogs umgesetzt wurden).

20.05.2012

Vom Tod des Autors / Urhebers / Subjekts. Thomas Assheuer in der ZEIT (Print)

Zeitgleich zu dem Interview mit Christian Spannagel erschien in der ZEIT (3.5.2012 Nr. 19) ein Artikel von Thomas Assheuer zur Debatte um das Urheberrecht, die im Augenblick von den Wahlerfolgen und Programmdebatten der Piraten und der Kampagne "Wir sind die Urheber" angeheizt wird. Mir hat der Artikel zu zwei Erkenntnissen verholfen:
  • Die Debatte zum (negativem) Verhältnis von Subjekt und Medium ist (natürlich) älter als das Internet. Die digitalen, vernetzten Medien drängen uns vor allem eine neue Sichtweise auf dieses Verhältnis auf und lassen dass, was bisher ungeklärt geblieben ist (bleiben muss), deutlicher hervortreten.
  • Ich selber - mit einem notwendigerweise begrenztem Blickfeld - bin mit meinen Gedanken ein Teil dieses Diskurses ohne das ich es wußte. Das mag nun an der laienhaften Begrenztheit meines wissenschaftlichen Horizonts liegen oder am unausweichlichen Schicksal eines Professionellen, die immer auch eine Begrenzung des Horizonts bedeutet.

Was schreibt nun Thomas Assheuer? Es geht, so Assheuer um nicht weniger als das "Leben und Sterben des Urhebers in der digitalen Welt". Dabei referiert er die geistesgeschichtliche Debatte der 70er und zitiert die These "Was der Alteuropäer einen 'Urheber' nenne, das sei in Wirklichkeit bloß ein winziger 'Knoten' im Flechtwerk von Texten, Zeichen und Diskursen.". Diese Geisteshaltung werde nun, unter den Bedingungen der digitalen Gesellschaft von z.B. den Piraten zugespitzt:
"Wer in der schier unerschöpflichen Lava aus Texten, Tönen und Bildern noch nach dem klassischen Urheber sucht, der sucht ihn vergeblich. Der 'alte' Urheber, das Originalgenie des Abendlandes, wird von den digitalen Strömen verschluckt; im Netz sind Individuum und Gemeinschaft kaum mehr zu unterscheiden. Alles fließt, und alle sind alles gleichzeitig: Die User, sagen die Piraten, sind Produzenten und Konsumenten, sie sind Verteiler und Vervielfacher. Das Betriebsgeheimnis des Netzes ist die Kopie." 
Assheuer sieht darin die Forführung der "philosophischen Großdebatte" um die "Macht und die Herrlichkeit des Subjekts", die aus der Aufklärung erwachsen und über Nietzsche, Heidegger, Jünger, Gadamer schließlich bei Friedlich Kittler zur prekären Situation des "starken Subjekts der Moderne" führte, dass im "Strom des computergenerierten Wissens, [dem] Strom der Codes, der Zeichen und Daten" seine Substanz verliert. An diese philosophische Rundschau schließt Assheuer anhand eines Zitats

11.05.2012

Was frustiert Lernende in kooperativen Online-Szenarien? Vorstellung einer Studie in der IRRODL

In der International Review of Research in Open and Distance Learning (IRRODL)  haben Neus Capdeferro und Margarida Romero eine Studie vorgestellt, die sich der Frage widmet, durch "welche Faktoren Lernende in kooperativen Szenarien frustriert" werden. Abgesehen davon, dass ich es ja immer mutig und fruchtbar finde, wenn sich auch die Forschung dezidiert negativen Erfahrungen und Phänomenen widmet, können die Ergebnisse m.E. bedenkenswerte Impulse liefern. Spitzenreiter in den Antworten ist die "Commitment imbalance", was ich in diesem Kontext frei mit "ungleich verteiltem Einsatz" bzw. "Beteiligung" im weiteren Sinne, übersetzen würde. Das Ergebnis mag nicht überraschen, deckt es sich doch mit einer Reihe meiner alltagsweltlichen E-Teaching Erfahrungen - der eigenen wie den zugetragenen. 


Die Autorinnen schlussfolgern aus ihrer Untersuchung u.a. die Empfehlung, dass die Anforderungen,

08.05.2012

Open Science: "Wer Angst hat, dass ihm Ideen geklaut werden, der hat nicht genug" | Wissen | ZEIT ONLINE

In einem ZEIT-Interview hat Christian Spannagel einige Grundpositionen zu Open Science formuliert. Die Befürchtung, dass die Offenlegung von Prozessen der wissenschaftlichen Produktion den WissenschaftlerInnen zum Nachteil gereicht, entkräftet er mit zwei Argumenten:
  1. Zum einen kann die Urheberschaft einer Idee oder eines Gedankens durch eine Veröffentlichung dokumentiert werden und
  2. spricht für die Veröffentlichung des wissenschaftlichen Arbeitsprozess, dass die Qualität durch das Peer-Review und kritische Auseinandersetzung letztlich nur gewinnen kann:
"Es ist doch eigentlich wertvoll, möglichst früh zu erfahren, wenn etwa ein Praktiker überhaupt keine Relevanz in der Forschung eines Akademikers sieht. Natürlich ist das im ersten Moment nicht angenehm, eine solche Fehlerkultur, die das aushält, muss sich in den meisten Fällen erst entwickeln. Außerdem empfinde ich persönlich es als bereichernd, meine Forschung auch für Laien verständlich zu formulieren – denn dadurch durchdenkt man das eigene Handeln besser." [C.Spannagel in der ZEIT-Online]
Mir scheinen die beiden Argumente zwar stichhaltig, aber mir gehen dazu ein weiterer Gedanke durch den Kopf, die mir für die Diskussion von Open Science von Bedeutung erscheint und der in der "Ideenklau" und "Raus-aus-dem-Elfenbeinturm"-Diskussion nicht in den Hintergrund treten sollte: Das Statement beruht auf einem traditionellem Verständnis der "WissenschaftlerInnen" als erkenntnisproduzierende Individuen. Mir scheint die "Open Science" Idee greift aber noch weiter: Vielleicht lassen sich "Ideen" und "Antworten" unter den Bedingungen zunehmend vernetzter Wissenskultur und steigender, buchstäblich "nicht mehr zu fassender" Komplexität der uns umgebenden Phänomene und Fragestellungen nicht mehr als Einzelleistung denken. Es bahnt sich an, dass das Verhältnis zwischen individueller und kollektiver Wissensproduktion in Zukunft neu verhandelt werden wird. Für die Frage nach dem "Subjekt der Bildung im Netz" hat z.B. Christoph König aus Darmstadt spannende Thesen erarbeitet, die darauf hinweisen, dass die Community zum eigentlichen Bildungssubjekt werde (wenigstens in bestimmten Bereichen). Aus dieser Perspektive würde der Standpunkt eines kollektiven, vernetzten und transdisziplinären Forschungssubjekts erst die adäquate Sichtweise auf "offene Wissenschaft" ergeben.

06.05.2012

Was können mobile Anwendungen in der Hochschule bringen?

Diagram of a social networkIm folgenden möchte ich zum einen die Erkenntnisse aus dem Artikel von Wegener,  Prinz & Leimeister und die Diskussion um den Einsatz von mobilen Anwendungen in der Hochschule zusammenfassend einordnen und bewerten.
In dem Beitrag wird ein komplexes, mediengestützes Lehr-Lern-Szenario beschrieben, dass mit den Möglichkeiten digitaler Medien Antwortoptionen auf drängende Fragen der Hochschullehre modelliert: Chapeau!
Versuche ich, den Beitrag strikt in den Bezug zum #opco2012/mobile Applicationen zu setzen, sehe ich folgende Bezüge:
  • Apps tauchen in zwei Zusammenhängen auf: a) als Container für WBT-Module, und b) implizit als Kooperationswerkzeug für interakive Vorlesungen
  • Die Apps nimmt die Funktion eines “Endgeräte-gerechten-Kommunikationskanals” für didaktische Aufgabenstellungen ein. Funktional wäre z.B. Interaktion im Hörsaal z.B. mittels eines Moodle-Kurses mit einer entsprechenden Aktivität zu realisieren. Das bedeuet in der Anwendung jedoch ein “Loggen-Sie-sich-ein-und-rufen-Sie-XY-auf” – diese “Abkürzungsfunktion” einer App scheint ein wichtiger Faktor.
  • Die Verwendung von Apps macht die Erstellung einer eigenen Distributionsplattform wünschenswert.