25.11.2012

LiquidFeedback-Entwickler distanzieren sich vom Einsatz ihrer Software in der Piratenpartei

Während die Piratenpartei dieser Tage nach programmatischer Erneuerung sucht, sollte der Post aus dem LiquidFeedback-Blog aus dem September 2012 nicht der Vergessenheit anheimfallen. Aus meiner Sicht eine hübsche Fallstudie dafür, dass der Zusammenhang zwischen einer, in diesem Fall politischen, Intention und angemessener Software-Umsetzung nicht trivial ist und sich in technisch eigensinnige Strukturen konkretisieren, die nicht beliebig anpassbar sind.

Problem ist, dass LiquidFeedback darauf insisitert, dass eine demokratische, d.h. transparente und nachvollziehbare Willensbildung nicht mit dem (ebenso demokratischem) Prinzip der geheimen Wahl vereinbar ist, wenn ihre Plattform genutzt wird. Knackpunkt ist die für den einzelnen Nutzer Nicht-Nachvollziehbarkeit der Vorgänge im Internet:

"Denn das Internet kann durch die Teilnehmer (im Gegensatz zu einer echten Wahlurne) nicht hinreichend auf korrekte Funktionsweise geprüft werden. Für demokratische Prozesse gilt deshalb:
  • Entweder keine geheime, pseudonyme oder anonyme Stimmabgabe
  • oder keine Überprüfbarkeit durch die Teilnehmer
  • oder Verzicht auf das Internet und Verwendung einer herkömmlichen Wahlurne"
Die Praxis verschiedener Gliederungen der Piratenpartei nutzt aber genau die ausgeschlossene Möglichkeit geheim und via Internet Abstimmungen durchzuführen. Daher die Schlussfolgerung
"Wir wollen aber nicht für die gesellschaftliche Etablierung von scheinbar demokratischen Verfahren stehen oder verantwortlich sein, die durch die Teilnehmer selber nicht überprüft werden können."
Die Schlussfolgerung ist, dass das Internet per se keine demokratische oder demokratisierende Technologie darstellt. Eine Position, die z.B. Evgeny Morozov angesichts der westlichen Lesarten der arabischen und asiatischen Twitter-Revolutionen und Facebook-Bewegungen ausführlich begründet hat. 

24.11.2012

E-Learning in der Normalität?

Anmerkungen zu einer bekannten Schlagzeile

Ich habe inzwischen das Gefühl, auch diese Nachricht habe ich schon mehr als einmal gelesen.
Die Meldung des "Standards" hatte es diesmal zuerst auf meinen Feedreader geschafft: Unter dem Titel "E-Learning wird zum Alltag" werden wir aufgeklärt:
Grafik Autobahnschild"Das E-Learning verliert das E und wird ein Alltagsfeature", ist Erwin Bratengeyer, Leiter des E-Learning Centers an der Donau-Universität Krems überzeugt."
Ich weiß nicht was der geschätzte Erwin Bratengeyer wirklich gesagt hat, die Botschaft erkenne ich wohl, allein: 'Learning mit verlorenem E, dass zum Feature des Alltags wird' erscheint mir genau die Art von Worthülse, die so sehr nach krampfigem Modernismus klingt, das dies gerade nicht Normalität demonstriert, sondern den Wunsch danach. Aber selbst Bundeskanzlerin Merkel  kennt inzwischen das Wort "E-Learning", wie Heise.de, tapfer gegen den Duden anschreibend, vermeldete:
"Industrie 4.0, intelligente Netze, Breitband und die Unterstützung in MINT-Fächern durch e-Learning spielen in der künftigen IT-Strategie der Bundesregierung eine wichtige Rolle."
Schön auch hier die Einschränkung: E-Learning wird keineswegs als Normalität sondern zur "Unterstützung in MINT-Fächern" erwogen.

 

"Optimale Lernatmosphäre" - noch nicht normal

Wenn man weiterhin - mehr regionalwirtschaftlich - den Bericht vom Webmontag Berlin (Thema "E-Learning") parallel zurate zieht, dann wird aus der (zumindest der Berliner) E-Learning-Start-Up-Szene  auch keine "Normalität" gemeldet,

24.09.2012

AMH-Jahrestagung 2012 in Würzburg: Die Entwicklung von akademischer Medienkompetenz als interdisziplinäre Aufgabe

In der letzten Woche war ich auf der Herbsttagung der amh (Arbeitsgemeinschaft der Medienzentren der Hochschulen e.V.) in Würzburg, zu der ich freundlicherweise zu einem Kurz-Input zum Thema "Vermittlung von Medienkompetenz" eingeladen wurde. Das ist die dritte amh-Tagung an der ich teilgenommen habe und die erste, die sich dezidiert einem (auch) mediendidaktischem Thema widmete, nämlich der Frage, wie "Medienkompetenz" in der Hochschule zu entwickeln sei.

Durch die Tagung zogen sich zwei inhaltliche rote Fäden:
  • Erstens wurde die Entwicklung von Medienkompezenz bei Lehrenden wie bei Studierenden als eine sowohl inhaltlich wie instituionell interdisziplinäre und komplexe Aufgabe begriffen für die eine einfache Lösung nicht zu haben ist. Die Vielschichtigkeit des Begriffs der "Kompetenzentwicklung" und die Schwierigkeit deren Entwicklung mit "pädagogischem Handwerkszeug" zu unterstützen, kam in allen Beiträgen zum Ausdruck, vorschnelle Operationalisierungen und die Empfehlung von Königswegen wurden vermieden. Der Konsens war schnell gefunden, dass "Kompetenz" und "Vermittlung" nicht kompatibel sind, entgegen dem, was der Titel der Tagung nahelegte. Diese differenzierte Darstellung und Arbeit am Begriff war aus meiner Sicht sehr fruchtbar,

08.07.2012

Kurz vorgestellt: "Fußnote 24"

Fußnote 24
Das Literatur Spaß machen kann, habe ich nach zweifelhaften und teils verzweifelten Schulerfahrungen (zum Glück rechtzeitig) gelernt. Das Literatur aber auch als Performance so anregend und erfahrungsstiftend sein kann, wie das Projekt Unendlicher Spaß (sic!) des Hebbel am Ufer in Berlin nach dem gleichnamigem Buch von David Foster Wallace, habe ich selten erlebt. Nun bin ich weder Experte für zeitgenössische Performance und/oder Literatur und will daher gar nicht erst versuchen, Inszenierung, Werk und das Erlebnis hier wiederzugeben (der Roman hat mehr als 1600 Seiten...).
Ganz besonders nett fand ich jedoch, dass ich bei dieser Gelegenheit Fußnote 24 kennenlernen konnte. Ich habe das Gefühl, Fußnoten sind heutzutage ein bischen aus der Mode gekommen. Offensichtlich stehen Exkurs, Vertiefung und Assoziation, die sich nicht direkt in den Textfluss einfügen und nach der Fußnote verlangen, heute unter starkem Druck und werden dem stringenten Stil geopfert - wer hat schon Zeit zum Lesen? Vielleicht werde ich ja beim nächsten Mal darüber anders nachdenken, nachdem ich nun weiß, dass auch eine Fußnote etwas zu sagen hat.

21.06.2012

Erstkontakt - Ein Erlebnis mit der Lehre

In den letzten Wochen bin ich im Zusammenhang mit dem HSP-III Projekt E-Learning in Studienbereichen - eLiS an der UP wieder verstärkt mit Lehrenden in den ersten Kontaktaufnahmen. Das sind immer sehr aufschlussreiche Termine für mich - die längste Zeit bin ich doch mit E-Learning-Aktiven, -ExpertInnen und -Professionellen im Gespräch. Folgende Episode hat mich stark beschäftigt und daher möchte ich diese hier zum Besten geben:
By Tasylda Putri (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Dem Dozenten, mit dem ich mich zur Beratung getroffen habe, geht es in den Lehrveranstaltungen vor allem um Schreibkompetenzen. Eine seiner Methoden dafür ist, die TeilnehmerInnen im Laufe des Semesters kurze Texte schreiben zu lassen. Das geschieht in Schulheften, die der Dozent einsammelt und korrigiert. Auf seinem Schreibtisch liegt dieser Stapel Hefte und die Korrekturen finden klassisch mit rotem "Korrekturstift" direkt in den Heften statt. Also ich habe mich erst mal genau so gefühlt, wie das klingt - nämlich frappierend an Schulunterricht erinnernd. Und hierbei auch nicht an die innovativen Unterrichtsformen die z.B. ich durchaus erlebt habe (Hessen, 80er). Dazu habe ich noch erfahren, dass diese, mindestens ambivalente, Schulunterrichts-Assoziation 1. dem Lehrenden auch klar war und 2. auch die Studierenden zuweilen befremdet, wie er berichtete. Der Dozent hatte jedoch auch zwei nachvollziehbare und mir unmittelbar einleuchtende Begründungen.

25.05.2012

Evaluation einer E-Portfolio Veranstaltung (Seminarblog Web 2.0 und Gesellschaft)

Mit viel Verspätung möchte ich noch auf einen Beitrag im Seminar-Blog "Web 2.0 und die Gesellschaft" von Ilona Buchem eingehen, weil hier Ergebnisse der Abschlussreflexion aus einem Nutzungszenario von E-Portfolios in der Hochschullehre (im vergangenen Wintersemester 2011/2012) veröffentlicht sind - und dass findet leider nicht sehr oft statt. Ilona Buchem macht drei Kategorien auf: Die (negative) Soll-, die (positive) Haben-Seite sowie die Ambivalenzen. Die Darstellung ist knapp, daher möchte ich sie nicht weiter zusammenzufassen, würde mir aber erlauben, meine Quintessenzen zu ziehen:
  • Die praktische Arbeit mit dem Portfolio, die Praxisnähe und Multiperspektivität der Inhalte sowie die neuen Möglichkeiten der Leistungsdarstellung wurden von den Studierenden positiv eingeschätzt. Man kann dies interpretieren als die Ausweitung von Spielräumen. Diese müssen freilich auch genutzt werden - dies scheint aber auch der Fall gewesen zu sein, wie sich auch an den sehr individuell gestalteten  Beispielportfolios im Artikel zeigt. Es steckt vermutlich auch ein gutes Stück Lust am Neuen und am Ausprobieren hinter dem offensichtlichen Motivation, die sich in diesen Portfolios äußert. Wichtig scheint aber zu sein, diese Spielräume beim Einsatz von E-Portfolios gezielt aufzusuchen.
  • Nicht so gut angekommen bei den Studierenden sind anscheinend die Vorgaben hinsichtlich der Themen, Umfang und Struktur der Portfolio-Artikel (die übrigens als Wordpress-Blogs umgesetzt wurden).

20.05.2012

Vom Tod des Autors / Urhebers / Subjekts. Thomas Assheuer in der ZEIT (Print)

Zeitgleich zu dem Interview mit Christian Spannagel erschien in der ZEIT (3.5.2012 Nr. 19) ein Artikel von Thomas Assheuer zur Debatte um das Urheberrecht, die im Augenblick von den Wahlerfolgen und Programmdebatten der Piraten und der Kampagne "Wir sind die Urheber" angeheizt wird. Mir hat der Artikel zu zwei Erkenntnissen verholfen:
  • Die Debatte zum (negativem) Verhältnis von Subjekt und Medium ist (natürlich) älter als das Internet. Die digitalen, vernetzten Medien drängen uns vor allem eine neue Sichtweise auf dieses Verhältnis auf und lassen dass, was bisher ungeklärt geblieben ist (bleiben muss), deutlicher hervortreten.
  • Ich selber - mit einem notwendigerweise begrenztem Blickfeld - bin mit meinen Gedanken ein Teil dieses Diskurses ohne das ich es wußte. Das mag nun an der laienhaften Begrenztheit meines wissenschaftlichen Horizonts liegen oder am unausweichlichen Schicksal eines Professionellen, die immer auch eine Begrenzung des Horizonts bedeutet.

Was schreibt nun Thomas Assheuer? Es geht, so Assheuer um nicht weniger als das "Leben und Sterben des Urhebers in der digitalen Welt". Dabei referiert er die geistesgeschichtliche Debatte der 70er und zitiert die These "Was der Alteuropäer einen 'Urheber' nenne, das sei in Wirklichkeit bloß ein winziger 'Knoten' im Flechtwerk von Texten, Zeichen und Diskursen.". Diese Geisteshaltung werde nun, unter den Bedingungen der digitalen Gesellschaft von z.B. den Piraten zugespitzt:
"Wer in der schier unerschöpflichen Lava aus Texten, Tönen und Bildern noch nach dem klassischen Urheber sucht, der sucht ihn vergeblich. Der 'alte' Urheber, das Originalgenie des Abendlandes, wird von den digitalen Strömen verschluckt; im Netz sind Individuum und Gemeinschaft kaum mehr zu unterscheiden. Alles fließt, und alle sind alles gleichzeitig: Die User, sagen die Piraten, sind Produzenten und Konsumenten, sie sind Verteiler und Vervielfacher. Das Betriebsgeheimnis des Netzes ist die Kopie." 
Assheuer sieht darin die Forführung der "philosophischen Großdebatte" um die "Macht und die Herrlichkeit des Subjekts", die aus der Aufklärung erwachsen und über Nietzsche, Heidegger, Jünger, Gadamer schließlich bei Friedlich Kittler zur prekären Situation des "starken Subjekts der Moderne" führte, dass im "Strom des computergenerierten Wissens, [dem] Strom der Codes, der Zeichen und Daten" seine Substanz verliert. An diese philosophische Rundschau schließt Assheuer anhand eines Zitats

11.05.2012

Was frustiert Lernende in kooperativen Online-Szenarien? Vorstellung einer Studie in der IRRODL

In der International Review of Research in Open and Distance Learning (IRRODL)  haben Neus Capdeferro und Margarida Romero eine Studie vorgestellt, die sich der Frage widmet, durch "welche Faktoren Lernende in kooperativen Szenarien frustriert" werden. Abgesehen davon, dass ich es ja immer mutig und fruchtbar finde, wenn sich auch die Forschung dezidiert negativen Erfahrungen und Phänomenen widmet, können die Ergebnisse m.E. bedenkenswerte Impulse liefern. Spitzenreiter in den Antworten ist die "Commitment imbalance", was ich in diesem Kontext frei mit "ungleich verteiltem Einsatz" bzw. "Beteiligung" im weiteren Sinne, übersetzen würde. Das Ergebnis mag nicht überraschen, deckt es sich doch mit einer Reihe meiner alltagsweltlichen E-Teaching Erfahrungen - der eigenen wie den zugetragenen. 


Die Autorinnen schlussfolgern aus ihrer Untersuchung u.a. die Empfehlung, dass die Anforderungen,

08.05.2012

Open Science: "Wer Angst hat, dass ihm Ideen geklaut werden, der hat nicht genug" | Wissen | ZEIT ONLINE

In einem ZEIT-Interview hat Christian Spannagel einige Grundpositionen zu Open Science formuliert. Die Befürchtung, dass die Offenlegung von Prozessen der wissenschaftlichen Produktion den WissenschaftlerInnen zum Nachteil gereicht, entkräftet er mit zwei Argumenten:
  1. Zum einen kann die Urheberschaft einer Idee oder eines Gedankens durch eine Veröffentlichung dokumentiert werden und
  2. spricht für die Veröffentlichung des wissenschaftlichen Arbeitsprozess, dass die Qualität durch das Peer-Review und kritische Auseinandersetzung letztlich nur gewinnen kann:
"Es ist doch eigentlich wertvoll, möglichst früh zu erfahren, wenn etwa ein Praktiker überhaupt keine Relevanz in der Forschung eines Akademikers sieht. Natürlich ist das im ersten Moment nicht angenehm, eine solche Fehlerkultur, die das aushält, muss sich in den meisten Fällen erst entwickeln. Außerdem empfinde ich persönlich es als bereichernd, meine Forschung auch für Laien verständlich zu formulieren – denn dadurch durchdenkt man das eigene Handeln besser." [C.Spannagel in der ZEIT-Online]
Mir scheinen die beiden Argumente zwar stichhaltig, aber mir gehen dazu ein weiterer Gedanke durch den Kopf, die mir für die Diskussion von Open Science von Bedeutung erscheint und der in der "Ideenklau" und "Raus-aus-dem-Elfenbeinturm"-Diskussion nicht in den Hintergrund treten sollte: Das Statement beruht auf einem traditionellem Verständnis der "WissenschaftlerInnen" als erkenntnisproduzierende Individuen. Mir scheint die "Open Science" Idee greift aber noch weiter: Vielleicht lassen sich "Ideen" und "Antworten" unter den Bedingungen zunehmend vernetzter Wissenskultur und steigender, buchstäblich "nicht mehr zu fassender" Komplexität der uns umgebenden Phänomene und Fragestellungen nicht mehr als Einzelleistung denken. Es bahnt sich an, dass das Verhältnis zwischen individueller und kollektiver Wissensproduktion in Zukunft neu verhandelt werden wird. Für die Frage nach dem "Subjekt der Bildung im Netz" hat z.B. Christoph König aus Darmstadt spannende Thesen erarbeitet, die darauf hinweisen, dass die Community zum eigentlichen Bildungssubjekt werde (wenigstens in bestimmten Bereichen). Aus dieser Perspektive würde der Standpunkt eines kollektiven, vernetzten und transdisziplinären Forschungssubjekts erst die adäquate Sichtweise auf "offene Wissenschaft" ergeben.

06.05.2012

Was können mobile Anwendungen in der Hochschule bringen?

Diagram of a social networkIm folgenden möchte ich zum einen die Erkenntnisse aus dem Artikel von Wegener,  Prinz & Leimeister und die Diskussion um den Einsatz von mobilen Anwendungen in der Hochschule zusammenfassend einordnen und bewerten.
In dem Beitrag wird ein komplexes, mediengestützes Lehr-Lern-Szenario beschrieben, dass mit den Möglichkeiten digitaler Medien Antwortoptionen auf drängende Fragen der Hochschullehre modelliert: Chapeau!
Versuche ich, den Beitrag strikt in den Bezug zum #opco2012/mobile Applicationen zu setzen, sehe ich folgende Bezüge:
  • Apps tauchen in zwei Zusammenhängen auf: a) als Container für WBT-Module, und b) implizit als Kooperationswerkzeug für interakive Vorlesungen
  • Die Apps nimmt die Funktion eines “Endgeräte-gerechten-Kommunikationskanals” für didaktische Aufgabenstellungen ein. Funktional wäre z.B. Interaktion im Hörsaal z.B. mittels eines Moodle-Kurses mit einer entsprechenden Aktivität zu realisieren. Das bedeuet in der Anwendung jedoch ein “Loggen-Sie-sich-ein-und-rufen-Sie-XY-auf” – diese “Abkürzungsfunktion” einer App scheint ein wichtiger Faktor.
  • Die Verwendung von Apps macht die Erstellung einer eigenen Distributionsplattform wünschenswert.

27.02.2012

Studium 2.0: Wie E-Learning den Unialltag verändert | STERN.DE

Nicht viel wirklich Neues (außer, dass es das sympathische Projekt Iversity zu verdienter medialer Aufmerksamkeit gebracht hat: Herzlichen Glückwunsch, Leute!) hat der überschwängliche Artikel "Studium 2.0: Wie E-Learning den Unialltag verändert" auf STERN.DE zu berichten. Es wird aber ein eingängiges Szenario skizziert, wie das Studium mit sozialen Netzwerken unterstützt werden könnte.
"Beschäftigt sich ein Student etwa gerade mit dem Schriftsteller Franz Kafka, dann kann er auf der Plattform nach Menschen mit demselben Studieninteresse suchen - und zwar bundesweit."
Interessant finde ich, dass auch für die breite Öffentlichkeit (bzw. den Teil davon, den die STERN.DE-LeserInnenschaft repräsentiert) die Massenvorlesung als Auslaufmodell dargestellt wird.
"Der Frontalunterricht für Hunderte von Hochschülern in einem Audimax werde sich schlicht überholt haben. Das reine Wissen eigneten sich die Hochschüler der Zukunft zu Hause alleine über Internetportale an. Die Vorteile der Wissensvermittlung liegen dabei auf der Hand: Stehen die Infos zum Abruf in einem Portal bereit, könnten Studenten immer dann lernen, wenn es ihnen zeitlich passt. Und das Tempo der Vorlesung hängt allein vom eigenen Rhythmus ab."
Wissenschaftlich ist das nicht, der Artikel kann aber sicher geeignet sein, wenn es darum geht:
  • Interessierten zu Illustrieren, welche Entwicklungen und Visionen mit der Idee des E-Learning in der Hochschule verbunden sein können,
  • ein Beispiel zu zeigen, wie E-Learning in der Hochschule offensiv aber ohne Heilsversprechen kommuniziert werden kann.
Mir wird aber an dem Artikel auch mal wieder die Krux deutlich, dass zwischen dem Versuch offensiver Kommunikation und sträficher Simplifizierung ("reines Wissen"? "immer Lernen, wenn es passt"?)
 nur ein schmaler Grat liegt.

25.02.2012

Grafik zur Reichweite der Horizont-Prognosen von Dörte Giebel

von: Dörte Giebel 2012 auf "Lernkultur 2.0"
Dörte Giebel hat in ihrem Blog "Lernkultur 2.0" eine aufschlussreiche Grafik veröffentlicht, die die Prognosen der Horizont-Reporte der vergangenen Jahre ein einer Synopse darstellt und damit wunderbaren Überblick ermöglicht. Mit ist gleich mal aufgefallen, dass die stimmigen Prognosen (natürlich) die kurzfristigen sind, was bei etwas näherer Betrachtung ja nichts überraschendes ist. Die Übersicht versteht sich als Beitrag zum kommenden Open Course #opco12 der sich auf den aktuellen Report als Leitthema bezieht und schon vor Beginn für viel Bewegung in der Community sorgt.
Frau Giebel kommentiert ihre Beschäftigung mit der Geschichte der Horizont-Prognosen unter anderem folgendermaßen
"Was mich viel mehr gereizt hätte, stelle ich gerade fest, wäre ein Open Course, der sich auch mit vergangenen Horizon reports auseinander setzt und kritisch hinterfragt, warum sich manche der Trends nicht durchgesetzt haben, warum manches, was so wünschenwert wäre (wie Open Content!), auf sich warten lässt - wo die Beharrungskräfte und Widerstände sind... Dies wäre aus meiner Sicht eine sehr fruchtbare Auseinandersetzung, um den Gesetzmäßigkeiten auf die Spur zu kommen, warum neue Technologien nicht automatisch zu neuen Lern- bzw. lehrformen führen."
Dem kann ich sehr gut folgen: Anstatt die Prognosen nur als gegebene Grundlage zu sehen, kann eine kritische Auseinandersetzung mit der Logik der Prognose und auch der Handlungslogiken derjenigen, die sich mit Trends auseinandersetzen eine fruchtbare und notwendige Erweiterung der Themensetzung bieten. Vielleicht findet sich ja eine entsprechende (Teil-)Arbeitsgruppe zusammen.